Marcel Reich-Ranicki: Wutrede
Samstag-Abend war es mal wieder so weit: der deutsche Fernsepreis wurde mal wieder verliehen.
Der Ehrenpreis ging diesmal an Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki. Der 88-jährige bedankte sich aber nicht für den Preis, er nahm ihn gar nicht erst an!
Die Zuschauer im Publikum waren sichtlich nicht sicher was sie von der Rede halten sollten. Es war bei vielen eine wilde Mischung aus Verwunderung, Ärger und Erheiterung.
Die Rede von Reich-Ranicki fing nach einem langen stehenden Applaus mit folgenden Worten an:
„Meine Damen und Herren, ich habe in meinem Leben, in den 50 Jahren, die ich in Deutschland bin, viele Literaturpreise bekommen. Sehr viele - darunter auch die höchsten, wie den Goethe-Preis, den Thomas-Mann-Preis und einige andere.
Und ich habe immer gedankt für diese Preise, wie es sich gehört und bitte - verzeihen sie mir, wenn ich offen rede - es hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, für die Preise zu danken. Heute bin ich in einer ganz schlimmen Situation. Ich muss auf den Preis, den ich erhalten habe, irgendwie reagieren und der Intendant Schächter sagte mir: 'Bitte, bitte, bitte nicht zu hart.' Ja, in der Tat. Ich möchte niemanden kränken, niemanden beleidigen oder verletzen. Aber ich möchte auch ganz offen sagen: Ich nehme diesen Preis nicht an!
Das ganze gibt es auch noch in einer kompletten Version hier als Video.